Thonhausen&Wettelswalde

Thonhausen

ADRESSE
Dorfstraße 45
04626 Thonhausen

GESCHICHTE
Die Anfänge der Kirche reichen bis ins 13./14. Jahrhundert. Der klassische
Chorturm im Westen trägt einen schiefergedeckten Helm. Bei Plünderungen
im Dreißigjährigen Krieg gingen bei einem Brand 1640 nahezu alle älteren
Aufzeichnungen verloren. Das heutige Aussehen geht auf die Renovierungen
der Jahre 1668 und 1743 zurück. In dieser Zeit entstanden das Chorgewölbe
sowie die Verbreiterungen von Triumph- und Chorbogen.

Das Langhaus mit niedriger Kassettendecke wird vor allem durch die
zweigeschossigen Emporen dominiert. Die Ausstattung ist weitgehend
schmucklos – bemerkenswert sind jedoch die Kanzel von 1760 und –
ungewöhnlich für eine evangelische Kirche – ein Beichtstuhl.

Die Orgel baute Tobias Heinrich Gottfried Trost 1744. Im 19. und 20.
Jahrhundert wurde das Instrument mehrfach umgebaut; von der ursprünglichen
barocken Orgel sind nur noch wenige Teile erhalten. 2012 wurden sämtliche
Fenster erneuert. Die Kirche ist vom Friedhof des Ortes umgeben.

DACH- UND TURMSANIERUNG 2026
Mit Unterstützung der Stiftung KiBa wird 2026 die Dach- und Turmsanierung
durchgeführt: Notsicherung und Sanierung wichtiger Balken im Dachstuhl,
Abdichtung des Daches im Bereich einer schadhaften Stelle am Turm und
Erhalt der Statik, um größere Schäden zu vermeiden.

➔ Mehr Informationen: Stiftung KiBa – Dorfkirche Thonhausen

Gemeindekirchenrat

Heidrun Rohn (Vors. GKR)
Katrin Köhler
Holger Neumann
Georg Bürger
Claudia Heimer
Heike Dörner
Sandra Hahn
Doris Löber
Laura Marie Katzke

Wettelswalde

ADRESSE
Dorfstraße 1
04626 Thonhausen / Ortsteil Wettelswalde

GESCHICHTE

EINE DER ÄLTESTEN KIRCHEN OSTTHÜRINGENS
Unsere romanische Chorturmkirche wurde bereits in der ersten Hälfte
des 12. Jahrhunderts erbaut – sie ist damit eine der ältesten Kirchen
des ostthüringischen Raumes. Seit 1533, kurz nach der Reformation,
gehört die Filiale Wettelswalde mit ihrem Beidorf Schönhaide zum
Pfarramt Thonhausen.

In ihrer fast 900-jährigen Geschichte erfuhr die Kirche viele
Veränderungen. Größere Reparaturen sind aus den Jahren 1745, 1790–95,
1799, 1823, 1826–28, 1879 und 1930 dokumentiert. 1826 wurde der
ursprüngliche Eingang an der Südseite geschlossen und ein neuer
Eingang an der Westseite mit Türwänden aus Pölziger Stein geschaffen.

DIE SPEKTAKULÄRE RETTUNG AB 1985
Seit den 1930er Jahren war an der denkmalgeschützten Kirche keine
Reparatur mehr durchgeführt worden. Das Schieferdach verfiel zusehends.
1975 wurde die Kirche baupolizeilich gesperrt, von der Denkmalliste
gestrichen und 1980 zum Abbruch freigegeben. Vom Kirchenschiff waren
bereits Dach, Dachstuhl und die Hälfte der Nordmauer abgerissen,
später wurden auch die bunten Bleiglasfenster gestohlen.

Im Oktober 1985 fand die historische Beratung zwischen Pfarrer
Michael Wohlfarth, Rolf Beer und Klaus Köhler zur Rettung der
Kirche statt. „Geht nicht, gibt's nicht!" – mit diesem Motto packten
sie es an. Im November 1985 wurde der 36 Meter hohe, sich neigende
Turm eingerüstet, mit Eisenträgern stabilisiert und im eiskalten
Winter neu eingedeckt.

PARTNERSCHAFT MIT ILLINGEN
Eine besondere Rolle spielte der Illinger Posaunenchor unter Leitung
von Hans Bauer. Seit 1982 pflegten die Kirchgemeinden Thonhausen und
Illingen bei Pforzheim intensive partnerschaftliche Beziehungen. Die
Illinger unterstützten den Wiederaufbau finanziell und tatkräftig –
etwa bei der Beschaffung des Blattgoldes für die Turmuhr oder des
Schiefers aus Lehesten, der einen „theoretischen Umweg" über Illingen
nahm. Auch bei Zwischendecke, Fußboden, Elektroinstallation,
Automatisierung der Turmuhr und Läutetechnik halfen sie mit.

Am 8. Juni 1989 erklärte der Oberkonservator Hähle von der
Denkmalpflege Dresden: „Der Wiederaufbau dieser Kirche ist das
größte Spektakulum unserer vier Bezirke!" Das Denkmalschild kam
zurück an die Kirche.

WIEDER LEBENDIGES GOTTESHAUS
Im Juni 1996 konnte die Kirche erstmals wieder genutzt werden –
seitdem finden hier Gottesdienste und vielfältige Veranstaltungen
statt. 2006 erhielt die Kirche einen neuen Außenanstrich, 2020 wurde
der Sockel neu verputzt. Am 20. August 2006 wurde mit einem
Festgottesdienst das Jubiläum „825 Jahre Wettelswalde" gefeiert.

EIN BESONDERER BRAUCH
In vermutlich der einzigen Kirche der DDR wurde jahrzehntelang einem
alten Brauch folgend stets nach Abschluss der Getreideernte und
unmittelbar nach Heimkehr der Mähdrescherkolonne acht Minuten lang
die Glocke geläutet – zum Dank an Gott für die eingebrachte Ernte.

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Quelle: Vortrag von Klaus Köhler zum Tag des offenen Denkmals, 10.09.2017